Sie ist eine der ganz großen deutschen Nachwuchshoffnungen, bereits mit 18 Jahren eine feste Größe im Bundesligakader der Eisvögel USC Freiburg und ab nächstem Sommer für vier Jahre an der University of Oregon, um für die Ducks in der NCAA Division I zu spielen. Wir haben mit Satou Sabally ein Interview geführt und über ihre Zukunft in den USA, die laufende Saison in Freiburg und den Damenbasketball allgemein gesprochen.


Satou, vor kurzem gab es grandiose Neuigkeiten für dich. Du hast bei den Oregon Ducks (NCAA Division I) unterschrieben. Wie kam es dazu?

Es war ein langer Prozess mit vielen Vorbereitungen und genauen Beobachtungen. Ich hatte mein Interesse am College-Basketball in den USA sehr früh bekannt gegeben, so dass einige Universitäten über die Nationalmannschaft auf mich aufmerksam geworden sind und mich direkt kontaktierten.

Du sprichst von anderen Universitäten. Wieso hast du dich am Ende für die Ducks entschieden?

Zum einen war es das Gesamtpaket, das mich überzeugt hat und zum anderen war es der Assistant-Coach Mark Campbell, zu dem ich eine Beziehung über die Zeit auch aufbauen konnte, die authentisch war. Als ich mir dann den Campus vor Ort anschauen durfte und damit auch die Gelegenheit bekam, mich mit den anderen Spielerinnen zu unterhalten, hatte ich ein bestätigendes Gefühl über meine bisherigen Vorstellungen von Oregon und den Ducks.

Wie hat dein aktueller Verein Eisvögel USC Freiburg auf diese Entscheidung reagiert?

Die Eisvögel haben meinen Wunsch nach Amerika zu gehen voll akzeptiert und bilden mich hier auch sehr gut darauf aus. Alle freuen sich darüber und sind gespannt, wie es in den USA verläuft.

„Alles andere wäre jetzt auch nicht fair“

Ihr geht mit einem verbesserten Kader und hohen Ambitionen in die neue Saison, unter anderem tretet ihr in der europäischen CEWL an. Was dürfen wir von den Eisvögeln in diesem Jahr erwarten?

Die Saison hat gerade erst begonnen, insofern kann ich da noch keine Prognose erstellen. Gewinnen wollen alle Teams, das sollte der Grundsatz für jede Sportlerin sein und so wollen wir unsere Einstellung die komplette Saison über aufrecht halten. Leider hat es mit der Qualifikation für den Eurocup nicht geklappt, dafür wollen wir jetzt in der CEWL erfolgreich sein.

Die Unterschrift bei den Oregon Ducks hat natürlich große Aufmerksamkeit erregt. Wie schwer ist es, sich weiterhin zu 100 Prozent auf das aktuelle Team zu fokussieren, wenn man weiß, dass nach dieser Saison ein ganz neues Kapitel beginnt?

Zuerst wird ein Commitment gemacht und nicht sofort unterschrieben. Es ist schön zu wissen, dass sich die Ducks über meine Zusage sehr freuen. Aber aktuell konzentriere ich mich auf die laufende Saison bei den Eisvögeln. Alles andere wäre jetzt auch nicht fair, gedanklich schon woanders zu sein.

Du bist ein absolutes Ausnahmetalent im deutschen Damenbasketball. Gibt es trotzdem noch Dinge, die du deiner Ansicht nach verbessern musst?

Es gibt immer etwas, woran ich zusätzlich arbeiten kann. Ich bin jung und treffe manchmal überhastete Entscheidungen. Ich nehme alles mit, was ich von den älteren lernen kann und versuche mich zu verbessern.

Wie schätzt du die Entwicklung der DBBL momentan ein? Tut sich da etwas oder hat die Liga weiterhin Probleme, ihre Popularität in Deutschland auszuweiten?

Die DBBL ist gut um Jugendspielerin zu Förden, die etwas erreichen wollen, aber es ist schwer dann auch zum Vollprofi in Deutschland zu werden. Es gibt immer Profis von außen, die die Plätze einnehmen und der Entwicklung einer Deutschen Spielerin vorgezogen werden. Für mich müssten immer mindestens zwei deutsche Spielerin auf dem Feld stehen und nicht vier oder fünf aus anderen Ländern.

So können junge Spielerinnen, die sich noch entwickeln keine Spielpraxis sammeln und das ist ein Problem. Allgemein kann ich nicht sagen, ob die Liga besser geworden ist oder nicht, da ich ja erst seit einem Jahr spiele. Im Vergleich zu Internationalem Basketball ist die Deutsche Liga manchmal etwas zu kleinlich gepfiffen und man findet nicht richtig in das Spiel.

Deine kleine Schwester Nyara sorgt ebenfalls für positive Schlagzeilen im Basketball und ist fester Bestandteil der Zweitligamannschaft deines ehemaligen Klubs, dem TuS Lichterfelde. Habt ihr die Chance, euch regelmäßig auszutauschen, gibst du ihr vielleicht sogar den ein oder anderen Ratschlag oder geht jede eher ihren eigenen Weg?

Wir sind immer für uns da und heutzutage ist es ja kein Problem sich über die weite Distanz auszutauschen. Ich helfe ihr gerne, wenn sie Fragen hat und weiß, dass sie das Gleiche für mich tun würde.

„Ein akademischer Abschluss ist nicht wegzudenken“

Welchen Tipp kannst du jungen Mädchen mit auf den Weg geben, die von einer Karriere als Profibasketballerin träumen?

Sei selbstbewusst und tue das was für dich am Besten ist. Nichts ist unmöglich, man muss nur hart dafür arbeiten und manchmal eben die eine oder andere Sache zurückstecken. Das letzte was man tun sollte ist seinen Traum aufzugeben!

Auf was freust du dich in den USA am meisten?

Die Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Basketball näher kennenzulernen. Mich interessiert das andere Leben und noch viele andere Dinge. Wichtig für mich ist aber auch, dass ich nicht nur dorthin gehen werde, um Basketball zu spielen, sondern aber auch der akademische Grund spielt eine sehr große Rolle für mich. Ein akademischer Abschluss ist nicht wegzudenken.

Wie sehen deine Ziele für diese Saison aus, sowohl individuell als auch mit dem Team?

Ich denke, ich spreche da nicht nur für mich, sondern aber auch für jede einzelne andere Person aus meinem Team: Gesund bleiben und so gut wie nur möglich spielen!


Satou Sabally wurde am 25. April 1998 in New York City geboren. Nach ihren basketballerischen Anfängen beim Deutschen Basketballclub in Berlin entschied sie sich für einen Wechsel zum TuS Lichterfelde. Dort erlangte die 1,89 Meter große Allrounderin schnell bundesweite Bekanntheit, mit 14 Jahren debütierte sie in der 2. DBBL. In jeder Saison konnte sich die deutsche Jugendnationalspielerin steigern, in der Saison 2014/2015 legte sie durchschnittlich 17,1 Punkte und 7,4 Rebounds auf. Noch besser lief es für Sabally in der WNBL. Dort avancierte sie mit 34,5 Punkten pro Partie zur besten Werferin in der Saison 2014/2015. Bei der weiblichen U16-B-Europameisterschaft im Jahr 2014 führte sie Deutschland mit 20,1 Punkten und 11,1 Rebounds pro Spiel zum Titel und zum Aufstieg in die A-Gruppe. Zudem absolvierte sie mit der Sportleragentur ABC Travel Concepts Turnierreisen in Europa und den USA.  Im Sommer 2015 wechselte sie in die 1. DBBL zu den Eisvögeln Freiburg, um dort in Deutschlands höchster Spielklasse Erfahrung zu sammeln und am Rotteck-Gymnasium (Olympiastützpunkt Freiburg) ihr Abitur zu machen. Im Sommer 2016 gab die deutsche Basketballhoffnung bekannt, dass sie ab Sommer 2017 für vier Jahre an der University of Oregon studieren wird und gleichzeitig für die Oregon Ducks in der NCAA Division I auflaufen wird.