Mit 23 Jahren hat er sich bereits einen Namen in der Beko Basketball Bundesliga gemacht und rockt mit den Fraport Skyliners sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Bühne. Wir haben mit Johannes „Big Joe“ Voigtmann ein Interview geführt und mit ihm sowohl über seine persönlichen Ziele, als auch die Ziele mit der Mannschaft gesprochen.


Hallo Johannes, danke, dass du dir für uns die Zeit nimmst. Ein Rückblick auf das Allstar-Weekend, wieviel Spaß hat es gemacht?

Es ist natürlich schön, wenn man dafür ausgewählt wird und eine große Ehre. Das ist ein gutes Feedback, welches man von den Fans bekommt. Und es ist einfach ein schöner Tag, der zwar lang und anstrengend ist, aber man ist mit vielen Leuten zusammen, die man kennt und nicht so oft sieht übers Jahr. Es ist eine lockere Atmosphäre, man kann am Abend ein Spielchen machen, ganz ohne Druck und es geht einfach nur darum, Spaß am Basketball zu haben.

Wie schwierig ist es, nach solch einer Spaßveranstaltung zurück in den Rhythmus zu finden?

Das ist nicht so schwierig. Ich glaube es ist schwieriger, aus dem Rhythmus rauszukommen. Ich glaube, wir sind dafür alle zu professionell, dass uns das schwerfallen würde. Man hat dafür auch gar keine Zeit. Man sollte den Tag dort genießen und dann geht es aber auch schon wieder weiter.

Für die Skyliners läuft es in dieser Saison bislang richtig gut. Ihr seid ungeschlagen im Fiba Europe Cup und steht momentan auf Platz 4 in der Bundesliga. Was ist euer Erfolgsrezept?

Wir haben eine ganz gute Mischung und wir hatten einen Dreijahresplan, der gut aufgegangen ist. Die letzten Jahre mussten die Fans hier zwar auf ein bisschen was verzichten, wir hatten das eine Jahr, wo wir fast abgestiegen sind. Dann hat sich der Verein dazu entschieden, das hier kontinuierlich aufzubauen und das funktioniert. Wir haben eine sehr breite Mannschaft, eine sehr gut zusammengestellte Mannschaft, einen super Trainer, ein gutes Umfeld. Es passt gerade alles zusammen. Und ja, wenn es so weitergehen würde, dann würden wir uns nicht beschweren. Da der Plan momentan ja voll und ganz aufgeht.

Schielt man da vielleicht auch mal mit einem Auge nach ganz oben?

Da muss man aufpassen. Die Tabellensituation ist nur eine Momentaufnahme. Aber ich glaube, wir haben die Saison über gezeigt, dass wir auch ganz oben mitspielen können. Die Frage ist halt, wie kontinuierlich wir das durchhalten können. Deshalb glaube ich, dass noch ein bisschen Arbeit zu tun ist, aber wir auf dem richtigen Weg sind und jeder Bock hat und das ist das Wichtigste. Weil wenn jeder Bock hat, dann kann da was Großes entstehen.

„Wollen den Fiba Europe Cup gewinnen“

Gab es zur Rückrunde Saisonziele, die neu ausgerufen wurden?

Nein, wir hatten am Anfang der Saison gesagt, dass wir unter die Top Fünf nach der regulären Saison kommen wollen, dass wir uns für den Pokal qualifizieren wollen und da sind wir gut auf Kurs. Wir haben von Anfang an auch kommuniziert, dass wir den Fiba Europe Cup gewinnen wollen. Ich denke, da brauchen wir nichts nach oben zu korrigieren, wir sind voll und ganz im Soll.

Kommen wir auf dich zu sprechen. Du bist 23 Jahre alt, der beste deutsche Center der Liga und Allstar. Zeigen da nicht inzwischen Top-Klubs wie München, Bamberg oder Euroleague-Teams Interesse an Dir?

Ich werde vielleicht nicht mein ganzes Leben in Frankfurt bleiben. Ich habe auch schon gesagt, dass ich mal Euroleague spielen will, aber das steht alles noch in den Sternen. Natürlich ist es so, dass wenn man relativ konstant „performt“, dann weckt das Begehrlichkeiten von größeren Klubs. Aber wie gesagt, wir haben ein Ziel mit der Mannschaft und das ist das, worauf ich mich erstmal konzentriere. Und alles was danach kommt, darum kümmere ich mich auch erst danach. Das ist nicht nur so daher gesagt, sondern wirklich so gemeint. Viele versuchen gute Statistiken zu kriegen, denen ist es aber egal, wie die Mannschaft abschneidet, Hauptsache die kriegen einen neuen guten Vertrag. Aber ich glaube, wenn man mit dem Team erfolgreich ist, dann zeigt das die Siegermentalität, die man hat oder eben auch nicht hat. Ich versuche einfach, dass wir mit der Mannschaft super erfolgreich sind.

Während des Allstar-Weekends fiel von einigen Kommentatoren immer wieder das Stichwort „NBA“, wenn es um dich ging. Ist die NBA ein Thema für dich oder noch viel zu weit weg, um daran zu denken?

Das ist noch gefühlte Lichtjahre entfernt. Um in die NBA zu kommen, braucht man auch ein bisschen Glück. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Wenn irgendwann mal jemand fragt, hast du Lust, dann werde ich wahrscheinlich nicht Nein sagen. Aber wie gesagt, ich mache mir da jetzt auch keinen Druck, dass ich alles versuche, um nächstes Jahr in der NBA zu spielen. Es wird vielleicht eine Chance kommen oder vielleicht wird auch keine kommen, dann ist es halt so. Ich versuche das Beste aus mir rauszuholen.

„Die EM war eine Riesenerfahrung“

Du giltst als sehr beweglicher Center, der über ein weiches Händchen verfügt. Wie wird im Training mit dir gearbeitet, um an diesen Fähigkeiten weiter zu feilen?

Ich arbeite eigentlich eher an den anderen Sachen. Ich arbeite eher an den Sachen, die ein klassischer Fünfer machen sollte. Natürlich auch an meinem Wurf, ich werfe viel. Aber ich arbeite viel am Lowpost-Game, ich arbeite viel an der Stabilität, also gerade das, was noch nicht so gut ist. Ich will ein sehr schwer auszurechenbarer Spieler sein und deshalb braucht man das Komplettpaket.

Dein Coach Gordon Herbert genießt einen hervorragenden Ruf als Trainer. Was macht ihn so besonders, was zeichnet ihn aus?

Ich glaube, er genießt sehr viel Respekt. Er ist ein sehr akribischer Trainer, er lässt keinen Fehler einfach so stehen. Er korrigiert alles und immer. Er duldet keine Undiszipliniertheiten und das verschafft ihm den nötigen Respekt. Gleichzeitig ist er aber auch fair und behandelt jeden Spieler gleich. Jeder Spieler kriegt die gleichen Chancen und damit kann ein Spieler sehr gut arbeiten. Das heißt wenn ich mir im Training den Arsch aufreiße, dann spiele ich auch irgendwann. Dafür hat er ein sehr gutes Gespür und ich finde, sein Spielstil passt perfekt auf unsere Mannschaft. Und das ist die halbe Miete, wenn das passt.

Du warst im Sommer auch bei der EM dabei. Wie sehr hat dich diese Zeit nach vorne gebracht?

Natürlich war es eine Riesenerfahrung, Europameisterschaft zu spielen, Es war meine erste im Männerbereich und das war eine Riesensache gegen die internationalen Leute zu spielen und das bringt einen richtig nach vorne. Und dann war es auch gut, zwei Monate lang mit den Leuten zu trainieren, mit Dirk, mit Tibor und Maik. Das bringt einen natürlich auch nach vorne, man kann viel lernen von denen. Natürlich hilft das ein bisschen, vor allem beim Selbstvertrauen, das man dann hat.

Dein alter Verein, Science City Jena, steht momentan auf Platz 1 in der ProA. Wiedersehen mit dem Ex-Verein in der Beko BBL erwünscht?

Ich hab noch sehr großen Bezug zu Jena, mein Bruder spielt ja auch dort. Ich mag die Stadt sehr gerne und natürlich würde ich mir wünschen, dass wir mal ein Auswärtsspiel dort haben.

Hoffen auf ein Bruderduell also?

(Lacht) Ja ganz genau.

Für jeden jungen deutschen Center, der gerade zum ersten Mal die Basketballschuhe schnürt, welchen Tipp würdest du ihm geben?

Ich glaube, das wichtigste ist am Anfang, Spaß zu haben. Ich habe viele Spieler gesehen, die als ich angefangen habe Basketball zu spielen, super gut waren, die super talentiert waren und die mit 16 schon so „gehyped“ waren, dass die so ein bisschen verheizt worden sind. Ich glaube, so lange man Spaß am Basketball hat, macht es auch Spaß in die Halle zu gehen. Man muss halt viele Stunden in der Halle verbringen und wenn man da keinen Spaß dran hat, dann kann man es eigentlich gleich lassen. Solange man Spaß dran hat, kann man eigentlich nichts verkehrt machen.


Johannes Voigtmann wurde am 30. September 1992 in Eisenach geboren. Als Handballer startete er beim ThSV Eisenach, später kam er über ein Basketballcamp beim TuS Jena unter. Wenig später wechselte er an das Sportgymnasium in Jena und entwickelte sich bei Science City Jena in der NBBL und Pro A kontinuierlich weiter. Im Sommer 2012 wechselte “Big Joe” zu den Skyliners nach Frankfurt und wurde in der Saison 2014/2015 zum “besten deutschen Nachwuchsspieler” und “Most Improved Player” gekürt. Auch in der deutschen Nationalmannschaft hat der 2,11 Meter große Center bereits Erfahrung gesammelt. 27 Länderspiele hat Voigtmann bereits absolviert und war im Sommer 2015 mit bei der Europameisterschaft im eigenen Land dabei. In der laufenden Saison legt der Center durchschnittlich 13.7 Punkte, 7.3 Rebounds und 2.9 Assists pro Spiel auf.