In dieser Woche präsentiert Courtside-News einen ganz interessanten Mann. 25 Jahre alt, 2,08 Meter groß und einer der gefürchtetsten Shotblocker der Liga. Im Interview mit Jonas Wohlfarth-Bottermann sprachen wir über Alba Berlin, seine persönliche Entwicklung und unter anderem über seinen Coach, Sasa Obradovic.


Jonas, erstmal Glückwunsch zum Sieg über die Telekom Baskets Bonn. Wie hat sich die Rückkehr in deine Heimatstadt für dich angefühlt?

Ich freue mich natürlich immer nach Hause zu kommen. Es ist ja nicht nur die Rückkehr in den Telekom Dome, sondern auch die Rückkehr zu mir nach Hause. Ich sehe meine ganze Familie, viele Freunde und viele bekannte Gesichter. Ich freue mich immer sehr, hierher zurück zu kommen.

Am Ende war es eine recht deutliche Angelegenheit, was war ausschlaggebend für den 77:57-Sieg bei den Baskets?

Ich denke wir haben einfach eine konstant gute Partie abgeliefert. Wir wussten, dass es von Anfang an ein schweres Spiel werden würde und wir sind aber von Anfang an konzentriert in die Partie gegangen. Und ich denke, dass wir konsequent vom ersten Viertel bis zum vierten Viertel unser Spiel den Bonnern aufgedrückt haben und dass uns das letztendlich zum Sieg geführt hat, zumal wir die auch mit einer guten Defense kontrolliert haben, gerade auch im dritten Viertel.

Ihr seid, wettbewerbsübergreifend, seit sieben Spielen ungeschlagen und steht auf Platz 1 der Beko BBL. Wohin geht der Weg von Alba Berlin in dieser Saison?

Ich denke mal es ist einen Ticken zu früh, eine Prognose abzugeben. Man sieht, selbst wenn man dann in die Playoffs startet, da werden die Karten neu gemischt. Es ist natürlich immer gut, einen guten Saisonstart zu haben. Man hat gesehen, die Liga ist sehr ausgeglichen, auch Bayern hat in Frankfurt wieder verloren. Jeder Sieg ist wichtig und am Ende wird man dann sehen, wo man steht.

Nächste Woche ist der FC Bayern Basketball zu Gast in Berlin. Die Münchener haben in Frankfurt verloren, ihr in Bonn gewonnen. Darf Berlin die Favoritenrolle zugeteilt werden?

Nein gar nicht. Es ist immer ein ganz besonderes Spiel für mich, für das Team und den ganzen Verein, wenn Alba gegen München spielt. Theoretisch müssten die Bayern Favorit sein, wenn man so aufs Papier guckt, aber ich glaube wir sind alle hochmotiviert und müssen uns auf keinen Fall vor den Bayern verstecken. Wir haben unseren Rhythmus, die Bayern haben gegen Frankfurt verloren, aber es ist immer gefährlich gegen solche Teams zu spielen, die so eine Wut im Bauch haben nach so einer Niederlage. Es wird mit Sicherheit ein ganz schweres Spiel.

„Ich weiß, was ich kann“

Du bist im Sommer 2013 aus Bonn nach Berlin gewechselt und spielst deine dritte Saison mit Alba Berlin. Wie beurteilst du deine Entwicklung seitdem du in der Hauptstadt angekommen bist?

Insgesamt war es für mich ein sehr wichtiger Schritt. Ein guter Schritt, den ich auf keinen Fall bereue. Ich habe bisher viele Erfahrungen hier gesammelt, sowohl in der Bundesliga, als auch in Europa, letztes Jahr habe ich Euroleague gespielt. Das war für mich nochmal was Besonderes und auf jeden Fall der nächste Schritt. Natürlich hatte ich ein bisschen Pech letztes Jahr, als ich mir die Hand gebrochen habe. Da war ich fast zwei Monate draußen und habe den Rhythmus verloren, was meine persönliche Entwicklung angeht.

Aber das gehört dazu, da muss man drüberstehen. Und ja, dieses Jahr spielen wir auch wieder extrem erfolgreich, sind ein sehr ausgeglichenes Team und da ist es immer ein bisschen schwierig, gerade als deutscher Rollenspieler von Anfang an eine große Rolle zu kriegen. Aber ich bin geduldig und ich weiß, was ich kann und ich weiß, was ich die letzten Jahre hier gezeigt habe. Ich bin guter Dinge, dass meine Situation noch besser wird und ich in meinem dritten Jahr weiter zeigen kann, dass ich mich gut entwickelt habe.

Du hast dir als Shotblocker einen Namen in der Liga gemacht und räumst aktuell im Schnitt einmal pro Spiel einen Gegenspieler ab. Wie trainiert man diese Fähigkeit, im richtigen Moment einen Wurf blocken zu können?

Es lag mir immer ganz gut. Es gibt manche die können gut werfen und ich habe eben ein gutes Timing beim Blocken. Es ist natürlich viel Intuition, du musst antizipieren, was der Gegner als nächstes macht. Weil du zum Block schon früher hochsteigen musst, als der eigentliche Wurf dann kommt, um den Ball in der richtigen Flugkurve zu erwischen, damit du kein Goaltending machst. Es ist Timing, Intuiton und wirklich trainieren kann man das glaube ich nicht. Entweder bist du halt ein guter Shotblocker oder eben nicht.

Ich bin natürlich froh, dass ich da so eine Nische habe, in der ich erfolgreich bin. Ich definiere mich aber nicht nur darüber und ich habe auch gelernt, in der Zeit als Profibasketballer, nicht immer zu springen. Du musst eine gute Balance haben zwischen solider Defense und dann mal auf der Helpside zu springen. Aber die ganze Zeit zu springen, wie ich es in der Jugend gemacht habe, ist uneffektiv und hilft eigentlich nichts.

Einen sehr großen Anteil an deiner Entwicklung hat Headcoach Sasa Obradovic. Er ist als extrem aufbrausender Trainer bekannt, was kannst du uns über ihn erzählen?

Ich denke, das sieht man schon, wenn man ihn coachen sieht. Ich glaube, es gibt wenige, die diesen Coaching-Stil so verkörpern wie er. Er ist extrem, ich sage mal, extrovertiert, wenn er das Spielfeld betritt. Als Spieler muss man, wenn man unter ihm spielt, auch erstmal so ein dickeres Fell aufbauen, damit man versteht, was er eigentlich von einem will. Am Ende des Tages will er halt das Maximale aus einem rausholen und will nicht jemanden irgendwie fertig machen, sondern will, dass jeder seine beste Leistung abrufen kann.

Wie man sieht ist das sehr erfolgreich die letzten Jahre gelaufen. Gerade unter Alba aber auch schon davor hatte er Erfolg als Trainer und Spieler und ich glaube, wenn man lernt damit umzugehen, dann kann man sich gut entwickeln. Das hat man auch an den Spielern gesehen, die letztes Jahr bei uns waren und jetzt zu großen europäischen Teams gewechselt sind. Ich glaube, wir hatten letztes Jahr ein Team, was meiner Meinung nach vom Preis-Leistungs-Verhältnis das Beste in Europa war.

Bleiben wir weiter bei Sasa. Welches war sein schlimmster Wutausbrauch, den du je miterlebt hast?

(Lacht) Das ist schwierig, da muss ich mal ganz tief ins Gedächtnis gehen. Ich glaube, es gibt immer so ein paar Highlights, über die man dann in der Situation so ein bisschen anfangs geschockt ist, wenn er dann so ausflippt. Aber jetzt nach drei Jahren, weiß man, wie man das deuten soll und ja, es gibt immer wieder so ein, zwei Highlights. Ich glaube, auch er muss manchmal im Nachhinein über sich schmunzeln und wir tun es dann auch, weil man es im Endeffekt dann doch nicht so persönlich nimmt, wie er es eigentlich meint. Letztes Jahr gab es ja dieses Youtube-Highlight mit Renfroe, wonach sich aber auch alle vertragen haben. Seitdem ich mit Sasa arbeite, gab es nie böses Blut zwischen uns oder einem anderen Spieler.

„In Berlin ist es um einiges anonymer“

Deine neuen Centerkollegen Elmedin Kikanovic, Mitchell Watt und Kresimir Loncar erfüllen die Erwartungen bislang. Was macht diese komplett unterschiedlichen Spielertypen aus?

Ich glaube, die ergänzen sich ganz gut. Jeder hat jetzt so ein bisschen seine Rolle gefunden, das hat am Anfang etwas gedauert, weil wir ja schon ein recht neues Team waren. Natürlich hat Loncar seine Qualitäten von außen, gerade der Wurf bis zur Dreierlinie hin. Auch Mitch Watt kann sehr gut werfen. Er spielt ja hauptsächlich die Vier bei uns, ist sehr mobil und hat gegen viele Vierer in der Bundesliga, die oft gute Shooter sind, dann ein Missmatch im Post, weil er auch mit dem Rücken zum Korb spielen kann, was ihm sehr zugute kommt. Ja und Kikanovic ist so ein klassischer Brett-Center, der extrem gute Post-Moves hat, aber auch aus der Mitteldistanz seinen Wurf treffen kann. Er spielt bislang sehr, sehr gut und ist immer sehr engagiert, was uns auch hilft.

Kommen wir zurück zu dir. Wie sieht das Leben eines Alba-Spielers in Berlin aus, wird man oft angesprochen, wenn man durch die Stadt geht?

Wir haben zwar mehr Zuschauer und eine größere Halle, aber dabei darf man nicht vergessen, wie groß Berlin ist. Von der Fläche und von den Einwohnern her. Also das ist schon entspannter, als in kleineren Städten, wo jeder dich kennt. In Berlin ist es dann doch um einiges anonymer. Zumal gibt es auch in Berlin nicht nur Basketball in der ersten Liga, sondern auch sehr viele andere Sportarten, die erste Liga spielen. Daher verteilt sich das Interesse auch so ein bisschen. Ich muss sagen, dass es eher Seltenheit ist, dass du auf der Straße angesprochen oder erkannt wirst.

Du hast im Sommer auch eine längere Karibik-Reise gemacht. Wie wichtig ist es, in der Offseason den Kopf frei zu bekommen, Kraft zu tanken und befreit in die neue Saison zu gehen?

Das ist natürlich sehr wichtig. Selbst wenn du Nationalmannschaft hast, brauchst du mindestens ein oder zwei Wochen, wo du mal wenigstens ganz kurz den Ball nicht anfassen musst. Ich bin froh, dass ich dieses Jahr ein bisschen Pause hatte und mich erholen konnte, um dann aber auch rechtzeitig und ganz geplant wieder mit Basketball anzufangen. Man muss einfach so eine Balance haben, zwischen Erholung und dann natürlich den Ehrgeiz haben, wieder auf das Ziel hinzuarbeiten. Weil man sonst nicht bereit zurückkommen kann.

Ich glaube für jeden Profisportler, für jeden berufstätigen Menschen, ist es gut mal eine Auszeit zu haben. Wie man jetzt sieht, ist die Belastung während der Saison extrem hoch, man reist gefühlt jeden zweiten Tag und hat Spiele zweimal die Woche und jeden Tag Training und Videoanalysen. Das ist nicht nur körperlich belastend, sondern auch mental. Wenn du dann so einen Urlaub hast, wo du dich im Sommer regenerieren kannst, dann ist das für den Körper und den Geist sehr wichtig.

„Kann mir vorstellen, hier zu bleiben“

Mit 25 Jahren hast du noch viele gute Jahre vor dir. Am liebsten weiterhin im Alba-Trikot oder reizen dich auch neue Erfahrungen?

Ich glaube, da ich ja auch recht spät mit Basketball damals angefangen habe, dass es allgemein diese Faustregel gibt, dass die besten Jahre mit Ende 20 kommen. Daher bin ich ganz zuversichtlich, dass ich da noch eine sehr gute Zeit vor mir habe. Ich muss sagen, Berlin gefällt mir extrem gut, die Stadt ist toll, ich fühle mich hier sehr wohl und habe hier auch mein Umfeld inzwischen. Natürlich kann ich mir vorstellen, weiter hier zu sein, aber man muss auch immer sehen, dass es passt. Sportlich natürlich.

Ich möchte mich natürlich weiterentwickeln und jetzt ist es noch schwierig, da eine Tendenz zu sehen. Aber natürlich kann ich mir vorstellen hier zu bleiben, trotzdem würde es mich auch irgendwann mal reizen, wenn ich es schaffen würde, gut genug zu sein, auch mal ins Ausland zu gehen. Einfach ein Jahr mal komplett andere Erfahrungen zu sammeln. Eine kurzfristige Prognose abzugeben ist jetzt natürlich schwer.

Eine Frage für deinen ehemaligen Teamkollegen Andrej Mangold. Hattest du auch schon das Vergnügen, „DasKaugummi“ zu probieren?

(Lacht) Ja, er hat es mir auch schon zugeschickt, damit ich es hier in Berlin promoten kann. Ingwer-Orange war zwar so ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber die anderen beiden Geschmäcker gefallen mir sehr gut.

Zum Schluss: Wie sehen deine persönlichen Ziele für diese Saison aus? Individuell und mit dem Team?

Individuell, wie ich vorhin schon gesagt habe, möchte ich mich weiter gut entwickeln und auch in diesem Jahr wieder eine gute Leistung zeigen und dem Team helfen, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen. Der Teamerfolg steht immer an erster Stelle, die Leute interessieren sich weniger für Spieler, die in einem Team spielen, das nicht erfolgreich ist.

Wir müssen keine Angst haben in der Liga und sind ambitioniert, um die Titel mitzuspielen. Was dann am Ende rumkommt, werden wir sehen. Wir sollten uns jetzt keinen Druck machen, dass wir deutscher Meister werden müssen, denn in der Position sind wir nicht. Den Kader haben wir auch auf dem Papier nicht, wenn man das mit den anderen Top-Klubs vergleicht. Trotzdem ist auch die ganz klare Ansage, dass wir ein Wörtchen mitzureden haben wollen.


Jonas Wohlfarth-Bottermann wurde am 20. Februar 1990 in Bonn geboren. Seine basketballerischen Wurzeln liegen beim BSV Roleber, doch schnell wurden auch die umliegenden Vereine auf “WoBo” aufmerksam. Er entschied sich im Jahr 2006 für einen Wechsel zu den Telekom Baskets Bonn und lief für deren NBBL auf. Nach drei erfolgreichen Jahren wurde der Center mit einer Doppellizenz ausgestattet und ging für den Kooperationsverein Dragons Rhöndorf auf Punktejagd. Nach dem Abstieg der Dragons aus der Pro A 2011 entschied sich Wohlfarth-Bottermann für die Bundesliga und spielte zwei weitere gute Saisons für die Telekom Baskets Bonn. Im Sommer 2013 folgte der Wechsel zu Alba Berlin. Mit den Albatrossen konnte er 2014 den Pokalsieg feiern und bestreitet nun sein drittes Jahr für Berlin.